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Sepsis im Kindes- und Jugendalter

Letzte Aktualisierung: 7.7.2026

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Eine Sepsis ist ein lebensbedrohliches Krankheitsbild, das infolge einer dysregulierten Immunantwort auf eine Infektion entsteht und zu Organdysfunktionen sowie ggf. zu einem septischen Schock führen kann. Sie stellt weltweit eine der häufigsten Todesursachen im Kindesalter dar. Seit 2024 gilt der Phoenix-Sepsis-Score als pädiatrische Konsensusdefinition und unterstützt die frühe Identifikation einer Sepsis (≥2 Punkte im Phoenix-Sepsis-Score). Ein septischer Schock liegt vor, wenn zusätzlich eine kardiovaskuläre Dysfunktion besteht.

Die Ätiologie umfasst neben bakteriellen Infektionen auch virale, fungale und andere Erreger. Klinisch präsentiert sich die Sepsis häufig unspezifisch mit Fieber, Tachykardie, Zeichen der Organfunktionsstörung sowie Schocksymptomen. Die Diagnostik erfolgt parallel zur Therapie und umfasst Blutkulturen, Lactatbestimmung, die Evaluation von Entzündungs- und Organfunktionsparametern sowie die Abklärung des zugrunde liegenden Infektionsfokus.

Die Therapie ist zeitkritisch und basiert auf einer frühzeitigen Diagnosestellung, dem raschen Beginn eines Breitbandantibiotikums innerhalb einer Stunde sowie der hämodynamischen Stabilisierung. Im Vordergrund der Diagnostik und Therapie steht die Umsetzung des pädiatrischen 1-Stunden-Sepsis-Bündels mit frühzeitiger empirischer Antibiotikatherapie und hämodynamischer Stabilisierung durch intravenöse Flüssigkeitsbolusgaben und ggf. vasoaktiver Unterstützung.

Dieser Artikel bezieht sich auf Säuglinge, Kinder und Jugendliche zwischen 1 Monat und 18 Jahren. Für Neugeborene: Siehe Neugeborenensepsis.

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Definitiontoggle arrow icon

Kriterien

Alte Kriterien [1][2][3]

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Epidemiologietoggle arrow icon

  • Weltweit treten die Hälfte der insg. 50 Mio. Sepsis-Fälle/Jahr bei Kindern und Jugendlichen ≤18 Jahre auf [6]
    • Ca. 25 Mio. Sepsis-Fälle/Jahr (>80% bei Säuglingen und Kindern <5 Jahre)
    • Ca. 3 Mio. Todesfälle/Jahr
  • Deutschland

25 Mio. Kinder hatten weltweit 2017 eine Sepsis, 3 Mio. von ihnen starben! [1]

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

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Ätiologietoggle arrow icon

Häufige Infektionsherde für Sepsis bei Kindern

Häufige Erreger

Risikofaktoren

  • Alter <12 Monate
  • Immunsuppression
  • Verweilkatheter (insb. ZVK)
  • Schwerwiegende Komorbiditäten (bspw. genetische Grunderkrankungen, Fehlbildungen wie angeborener Herzfehler, neurologische Grunderkrankungen, onkologische Erkrankung)

Alle infektiologischen Erreger – Bakterien, Viren, Pilze, Protozoen, selten sogar Helminthen – können eine Sepsis auslösen! Im Kindesalter sind jedoch meist Bakterien oder Viren ursächlich.

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Pathophysiologietoggle arrow icon

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Symptomatiktoggle arrow icon

Ein normwertiger Blutdruck schließt im Kindesalter einen septischen Schock nicht aus!

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Diagnostiktoggle arrow icon

Initiale Diagnostik [1][2]

Pädiatrische Blutkulturflaschen und Blutvolumina [1][2][7]
Körpergewicht/Altersklasse Mindestblutvolumen (Blutkulturflasche(n))
Frühgeborene 1 mL (Päd-Blutkulturflasche)
<10 kgKG / reife Neugeborene und Säuglinge 1–3 mL (Päd-Blutkulturflasche)
10–20 kgKG / Kleinkinder 5 mL (aerob und anaerob)
>20 kgKG / Kinder und Jugendliche 10 mL (aerob und anaerob)
Erwachsene 20 mL (aerob und anaerob)

Blutkulturen müssen vor der Verabreichung von Antibiotika abgenommen werden – es sei denn, dies verzögert die Therapie!

Das Erkennen einer Sepsis und der Therapiebeginn sind zeitkritisch! Jede Stunde Therapieverzögerung erhöht die Letalität deutlich.

Diagnosestellung

Weitere Diagnostik zur Identifizierung des Infektionsherdes

Bei Sepsis ohne erkennbare Ursache sollte eine ausgedehnte Fokussuche innerhalb von 3 h stattfinden! [2]

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Phoenix-Sepsis-Scoretoggle arrow icon

  • Definition: Screeningtool zur Detektion und Schweregradbeurteilung einer Sepsis und eines septischen Schocks bei Kindern und Jugendlichen
Phoenix-Sepsis-Score [1][2][8]
Punkte Respiratorisch Kardiovaskulär Hämostaseologisch Neurologisch
Vasoaktive Medikamente Lactat MAD
0 Punkte
  • Kein oder geringer Sauerstoffbedarf
  • Kein Medikament
  • <5 mmol/L
  • Normal
  • GCS >10; Pupillen lichtreagibel
1 Punkt
  • Atemunterstützung mit geringer Oxygenierungsstörung
  • 1 Medikament
  • 5–10,9 mmol/L
  • Erniedrigt
2 Punkte
  • Mechanische Beatmung mit schwerer Oxygenierungsstörung
  • ≥2 Medikamente
  • ≥11 mmol/L
  • Stark erniedrigt
  • Pupillen beidseits lichtstarr
3 Punkte
  • Mechanische Beatmung mit schwerster Oxygenierungsstörung
Beurteilung (max. 13 Punkte)
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Differenzialdiagnosentoggle arrow icon

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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Therapietoggle arrow icon

Checkliste: Pädiatrisches 1-Stunden-Sepsis-Bündel [2]

Sepsis und septischer Schock erfordern eine sofortige Behandlung inkl. unverzüglicher hämodynamischer Stabilisierung!

Die Antibiotikatherapie soll schnell, breit, hochdosiert und insb. bei septischem Schock innerhalb von 1 h begonnen werden!

Antiinfektive Therapie

Prinzip [1]

Wirkstoffe und Dosierungen

Antiinfektive Therapie bei Sepsis im Kindes- und Jugendalter [1][2]
Erregerspektrum Therapie Alternative
Ambulant erworben , Immunsuppression , Fremdmaterial
Nosokomial erworben; septischer Schock
Hinweis auf STSS oder SSSS
Hinweis auf Kandidämie

Therapie bei (drohendem) septischem Schock [1]

Volumentherapie

Katecholamine

Weitere Therapie

Ausblick: Neue Therapieansätze (bisher nur im Rahmen von Studien) [7]

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Komplikationentoggle arrow icon

Schwere Akutkomplikationen

Folgeschäden

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

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Prognosetoggle arrow icon

Innerklinische Mortalität

  • Sepsis
    • 7% bei umfangreichen Ressourcen
    • 29% bei niedrigen Ressourcen
  • Septischer Schock
    • 11% bei umfangreichen Ressourcen
    • 34% bei niedrigen Ressourcen
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Präventiontoggle arrow icon

Primärprävention

Sekundärprävention

  • Ggf. Screening auf Sepsis bei akut kranken Kindern

Tertiärprävention

  • Frühzeitige Erkennung und Behandlung von Infektionen
  • Klinikeigene SOPs
  • Nach akuter Erkrankung frühzeitige Rehabilitationsmaßnahmen
  • Aufklärung über und Nachuntersuchungen zum Post-Sepsis-Syndrom
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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026toggle arrow icon

Sepsis

Septischer Schock

SIRS

Kodierung von Organkomplikationen

G62.-: Sonstige Polyneuropathien

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.

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